Theaterstück

EIN HÖCHST PARTEILICHES,
ABER AUF FAKTEN BERUHENDES AUFKLÄRUNGSSTÜCK ZUR EU-VERFASSUNG
Dies ist ein Auszug;
der gesamte Text kann bezogen werden bei:

bei Elke Zwinge-Makamizile: elkezwinge@gmx.de

Die Theater-AG der Achse des Friedens am 29. 10. 2004 vor dem Haus des Bundesverbandes der Deutschen Industrie
Personen:
Sabine Christiunsinn (Fernsehjournalistin)
Javier Solono (Hoher Repräsentant der EU für GASP)
Nelli Krösus (EU-Kommissarin für Wirtschaft)
Michael Rokotzki (Präsident des BDI)
Claudia Roth-Schwarz (Politikerin)
Madame Areva, Vertreterin der Atomindustrie
Andreas von Bürow ( ehem. Staatssekretär,
Forschungsminister und Kenner der Geheimdienste)
Michael Winter ( Vorsitzender des DGB)
Rosa Volk, Vertreterin der Gewerkschaftsbasis, Friedensbewegung
Personen tragen ihre Namen und Funktionen sichtbar auf der Brust Auf dem roten Teppich (Bühnenbegrenzung) alle vereint.
Europa-Hymne erschallt.
Sabine Christiunsinn:
Wir sind heute zusammengekommen, um endlich ein vereintes Europa der 25 - die anderen lassen wir hier mal weg - mit einer gemeinsamen Europäischen Verfassung zu feiern. In Rom wird zu dieser Stunde die feierliche Unterzeichnung des Verfassungsentwurfs durch die Staats- und Regierungschefs der 25 - die anderen lassen wir jetzt einmal beiseite - vorgenommen.
Was lange schon gewünscht war, „ein geeintes Europa auf dem Weg der Zivilisation, des Fortschritts und des Wohlstands zum Wohl all seiner Bewohner, auch der Schwächsten und der Ärmsten“, dieser Kontinent Europa, Träger der Zivilisation, gibt sich heute die lang ersehnte Verfassung.
Andreas v. Bürow (echauffiert):
Wir dürfen nicht übersehen , dass die militärische Intervention in Afghanistan möglicherweise auf einem Jahr-hundert-Betrug aufgebaut ist. Die Lügen um Massenvernichtungswaffen im Irak mussten zur Begründung eines Präventiv-Krieges herhalten.
Harmlosere Lügen um Racak führten zur Begründung des Jugoslawien-Krieges. Es ist zu fragen, weshalb ist der Terrorismus als neue Bedrohung in die Verfassung mit hinein genommen worden?
Sieht das nicht danach aus, neue Erklärungsmuster für mögliche Interventionen zu schaffen? Mit Mitteln der ge-wollten Unberechenbarkeit und Undurchsichtigkeit können so – wenn willfährige Medien dann noch mitspielen- leicht wirtschaftliche Interessen verfolgt werden.

Michael Rokotzki:
Richtig, wir müssen unsere wirtschaftlichen Interessen wahrnehmen…Mein Freund, der Direktor der Deutschen Bank (2002) meint, das beste Mittel, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, ist ein Krieg. Ich denke wie er. Zum Glück spricht diese Verfassung eine klare Sprache, die unserer sehr ähnlich ist.
Schon in unserem Positionspapier von 2002 haben wir ja deutlich gemacht (hebt das Positionspapier hoch), dass eine Aufrüstungsverpflichtung notwendig ist, um in Hinblick auf „ein sicheres Europa in einer besseren Welt“ glaubwürdig zu sein.
Mein Berater-Vertrag bei dem US-amerikanischen Rüstungskartell Carlyle-Group verpflichtet mich geradewegs dazu, die GASP als globales Projekt zu unterstützen.
Claudia Roth-Schwarz:
Sie übersehen in der Verfassung die wunderbaren, fast lyrischen Passagen. Hören Sie: Ziel der Union ist es, den Frieden, ihre Werte und das Wohlergehen ihrer Völker zu fördern, die Achtung der Menschenwürde und Wah-rung der Menschenrechte. Unsere Gesellschaft zeichnet sich aus durch die Werte von Rechtsstaatlichkeit , Tole-ranz, Gerechtigkeit und Nichtdiskriminierung.
Auch das Völkerrecht kommt zur Geltung, wenn auch nicht in reiner Form, aber den Ansprüchen der
Zeit gemäß noch besser formuliert als eine Weiterentwicklung des Völkerrechts.
Ach, so viele schöne Worte, sie könnten alle von mir sein: gewichtig, und doch federleicht. (wirft ihre Boa um sich)
Sabine Christiunsinn:
Was sagt denn die Vertreterin der Atomindustrie zur Verfassung?
Die Energieversorgung ist wohl gar nicht berücksichtigt…?
Madame Areva:
Sie irren sich.
Herr Giscard d’Estaing ist unser Mann. Er konnte dank seines Amtes als Konventspräsident eine Diskussion um den Euratom- Vertrag im Verfassungskonvent verhindern.
Der Euratom-Vertrag ist nun gesichert im Zusatzprotokoll der Verfassung.

Stimme im off:
Adenauer 1956 „Ich will über Euratom auf schnellstem Weg die Möglichkeit erhalten, selbst nukleare Waffen her-zustellen“

Auch wenn wir in Europa nur vier Länder (Frankreich, Großbritannien, Finnland und Spanien) mit Nuklear-Energie haben, konnten wir doch erreichen, dass die staatliche, finanzielle Unterstützung vorrangig für uns gesi-chert ist. Die alternative Energie kann noch lange auf solche finanzielle Unterstützung warten, wie wir sie erhal-ten.
Aber das Beste: Europa wird als Atommacht eine Rolle spielen dürfen. Das „European Defense Paper“ ist super-be.
(Michael Rokotzki und Javier Solono applaudieren)
Sabine Christiunsinn:
Na, na, das überhöre ich besser.
Nun wollen wir auch einmal die Gewerkschaften fragen, was sie von der Verfassung halten? In einer Demokratie sollen sie bei der heutigen Unterzeichnung nicht fehlen.
Michael Winter:
Winter: Sehr gut, die Grundrechtecharta in der Verfassung. Ein Fortschritt ist der Schutz bei ungerechtfertigter Entlassung, das Recht auf Umwelt- und Verbraucherschutz. Allerdings ist es nur möglich, seine Rechte vor dem Europäischen Gerichts Hof einzuklagen bei Berücksichtigung aller angehängten Erläuterungen. Die sind leider umfangreicher als die Grundrechte selbst. Das verändert die Grundrechte bedauerlicherweise zu Grundsätzen. Die mehrfach erwähnte und neu hereingenommene „Unternehmerische Freiheit“ muss ja sein, weil sie Arbeitsplätze schaffen wird… Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden!
Rosa Volk (protestiert):
Ihre Position ist eine Bilderbuchkarriere für Kapital-Steigbügelhalter.
Mir wird schlecht, wenn ich Bolkestein und Mac Kinsey höre. Das ist noch schlimmer als Hartz. Das gesamte So-zialsystem wird nach unten gefahren und als Liberalisierung der Dienstleistungen verkauft! In der Verfassung steht nichts mehr davon, dass Eigentum verpflichtet. Sogar Wasser soll privatisiert werden können…
Die Verfassung ist für die Bevölkerung da, nicht für eine Handvoll von Lobbyisten und die Kapitalbesitzer. Sie haben das Geld sowieso nur von uns oder von Spekulationen oder durch Billiglöhne. Sie wollen sogar die Ver-fassung zu ihrem Privateigentum erklären, diese Ignoranten und Blutsauger…
Sabine Christiunsinn:
Unqualifizierte Ausbrüche können wir bei dieser feierlichen Zeremonie leider nicht zulassen.
Rosa Volk wird rausgeschmissen (Michael Winter guckt weg.)
Sie holt Verstärkung. Menschen kommen mit großem Transparent (Nein zu dieser EU-Verfassung) und vielen kleineren Schildern.
(Andreas v. Bürow gesellt sich in die Nähe der Demonstranten. Sabine bleibt „neutral“ in der Mitte, Michael Win-ter auch)
Schilder mit Forderungen an eine EU-Verfassung z.B.:
Verbot von Angriffskriegen, Agenturen zur Konfliktschlichtung, Abrüstung statt Sozialabbau, Bildung ist keine Ware, Keine Privatisierungen öffentlicher Güter, ökologische Verantwortlichkeit, alternative Energie, Verbot von genmanipulierten Lebensmitteln, Recht auf Arbeit, Tobinsteuer, Entwicklungshilfe statt Terrorismusbekämpfung, Schuldentilgung, Selbstbestimmungsrecht der Völker, Arbeitszeitabbau, kulturelle Vielfalt, soziale Wirtschaft, Verbot von Atomwaffen Haager Urteil, Pariser Charta, Transparenz u.s.w.
Rosa Volk (nimmt das Mikrofon der Moderatorin):
Aufforderung an das Publikum sich hinter die Forderungen zu stellen.
Zuschauer betreten die Bühne und stellen sich hinter die Schilder.
Lobbyisten entrollen Transparent „JA zur EU-Verfassung“ mit Konzernsymbolen. Sie stellen sich in Position von
Supermännern hinter ihr Transparent.
Daneben ist das Transparent „Ja zu Europa - Nein zu dieser EU-Verfassung“, hinter dem die vielen Menschen mit den kleinen Schildern stehen.

Dies sind nur AUSZÜGE

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Europa-Hymne

neuer text zur europa-hymne:
 

Freude über die Verfassung

Haben Götter des Mammons

Sie betreten siegestrunken

Ihr Privat-Elysium.

Doch der Zauber hält nicht ewig

Wenn die Menschen erst verstehn

Wie sie werden nun betrogen

Mit dem  neu'n Verfassungswerk.

 

Freude aller Wirtschaftslenker,
Verfassung oh wie bist du fein!
Dem Sozialen droht der Henker,
denn neoliberal muss es sein.
Und die letzten Schranken fallen:
das Sozialsystem bricht ein:
die meisten Menschen werden ärmer,
wenige viel reicher sein.

 

 

Wäre doch der Wurf gelungen

Ein Europa frei von Trug

Mit der Freude sichern Lebens

Statt des Aufrüstungsgebots,

Neoliberale Ordnung

Europäisches Streikverbot

Und die Bolkestein-Richtlinie

Nein, nein, nein es ist genug.