Die Theater-AG der Achse des Friedens am 29. 10. 2004 vor dem Haus des Bundesverbandes der Deutschen Industrie
Personen tragen ihre Namen und Funktionen sichtbar auf der Brust Auf dem roten Teppich (Bühnenbegrenzung) alle vereint.
Europa-Hymne erschallt.
Andreas v. Bürow (echauffiert):
Wir dürfen nicht übersehen , dass die militärische Intervention
in Afghanistan möglicherweise auf einem Jahr-hundert-Betrug aufgebaut
ist. Die Lügen um Massenvernichtungswaffen im Irak mussten zur Begründung
eines Präventiv-Krieges herhalten.
Harmlosere Lügen um Racak führten zur Begründung des Jugoslawien-Krieges.
Es ist zu fragen, weshalb ist der Terrorismus als neue Bedrohung in die
Verfassung mit hinein genommen worden?
Sieht das nicht danach aus, neue Erklärungsmuster für mögliche
Interventionen zu schaffen? Mit Mitteln der ge-wollten Unberechenbarkeit
und Undurchsichtigkeit können so – wenn willfährige Medien
dann noch mitspielen- leicht wirtschaftliche Interessen verfolgt werden.
Michael Rokotzki:
Richtig, wir müssen unsere wirtschaftlichen Interessen wahrnehmen…Mein
Freund, der Direktor der Deutschen Bank (2002) meint, das beste Mittel,
um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, ist ein Krieg. Ich denke
wie er. Zum Glück spricht diese Verfassung eine klare Sprache, die
unserer sehr ähnlich ist.
Schon in unserem Positionspapier von 2002 haben wir ja deutlich gemacht
(hebt das Positionspapier hoch), dass eine Aufrüstungsverpflichtung
notwendig ist, um in Hinblick auf „ein sicheres Europa in einer
besseren Welt“ glaubwürdig zu sein.
Mein Berater-Vertrag bei dem US-amerikanischen Rüstungskartell Carlyle-Group
verpflichtet mich geradewegs dazu, die GASP als globales Projekt zu unterstützen.
Claudia Roth-Schwarz:
Sie übersehen in der Verfassung die wunderbaren, fast lyrischen Passagen.
Hören Sie: Ziel der Union ist es, den Frieden, ihre Werte und das
Wohlergehen ihrer Völker zu fördern, die Achtung der Menschenwürde
und Wah-rung der Menschenrechte. Unsere Gesellschaft zeichnet sich aus
durch die Werte von Rechtsstaatlichkeit , Tole-ranz, Gerechtigkeit und
Nichtdiskriminierung.
Auch das Völkerrecht kommt zur Geltung, wenn auch nicht in reiner
Form, aber den Ansprüchen der
Zeit gemäß noch besser formuliert als eine Weiterentwicklung
des Völkerrechts.
Ach, so viele schöne Worte, sie könnten alle von mir sein: gewichtig,
und doch federleicht. (wirft ihre Boa um sich)
Sabine Christiunsinn:
Was sagt denn die Vertreterin der Atomindustrie zur Verfassung?
Die Energieversorgung ist wohl gar nicht berücksichtigt…?
Madame Areva:
Sie irren sich.
Herr Giscard d’Estaing ist unser Mann. Er konnte dank seines Amtes
als Konventspräsident eine Diskussion um den Euratom- Vertrag im
Verfassungskonvent verhindern.
Der Euratom-Vertrag ist nun gesichert im Zusatzprotokoll der Verfassung.
Stimme im off:
Adenauer 1956 „Ich will über Euratom auf schnellstem Weg die
Möglichkeit erhalten, selbst nukleare Waffen her-zustellen“
Auch wenn wir in Europa nur vier Länder (Frankreich, Großbritannien, Finnland und Spanien) mit Nuklear-Energie haben, konnten wir doch erreichen, dass die staatliche, finanzielle Unterstützung vorrangig für uns gesi-chert ist. Die alternative Energie kann noch lange auf solche finanzielle Unterstützung warten, wie wir sie erhal-ten.
Aber das Beste: Europa wird als Atommacht eine Rolle spielen dürfen.
Das „European Defense Paper“ ist super-be.
(Michael Rokotzki und Javier Solono applaudieren)
Sabine Christiunsinn:
Na, na, das überhöre ich besser.
Nun wollen wir auch einmal die Gewerkschaften fragen, was sie von der
Verfassung halten? In einer Demokratie sollen sie bei der heutigen Unterzeichnung
nicht fehlen.
Michael Winter:
Winter:
Sehr gut, die Grundrechtecharta in der Verfassung. Ein Fortschritt ist der Schutz bei ungerechtfertigter Entlassung, das Recht auf Umwelt- und Verbraucherschutz. Allerdings ist es nur möglich, seine Rechte vor dem Europäischen Gerichts Hof einzuklagen bei Berücksichtigung aller angehängten Erläuterungen. Die sind leider umfangreicher als die Grundrechte selbst.
Das verändert die Grundrechte bedauerlicherweise zu Grundsätzen.
Die mehrfach erwähnte und neu hereingenommene „Unternehmerische Freiheit“ muss ja sein, weil sie Arbeitsplätze schaffen wird…
Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden!
Rosa Volk (protestiert):
Ihre Position ist eine Bilderbuchkarriere für Kapital-Steigbügelhalter.
Mir wird schlecht, wenn ich Bolkestein und Mac Kinsey höre. Das ist
noch schlimmer als Hartz. Das gesamte So-zialsystem wird nach unten gefahren
und als Liberalisierung der Dienstleistungen verkauft! In der Verfassung
steht nichts mehr davon, dass Eigentum verpflichtet. Sogar Wasser soll
privatisiert werden können…
Die Verfassung ist für die Bevölkerung da, nicht für eine
Handvoll von Lobbyisten und die Kapitalbesitzer. Sie haben das Geld sowieso
nur von uns oder von Spekulationen oder durch Billiglöhne. Sie wollen
sogar die Ver-fassung zu ihrem Privateigentum erklären, diese Ignoranten
und Blutsauger…
Sabine Christiunsinn:
Unqualifizierte Ausbrüche können wir bei dieser feierlichen
Zeremonie leider nicht zulassen.
Rosa Volk wird rausgeschmissen (Michael Winter guckt weg.)
Sie holt Verstärkung. Menschen kommen mit großem Transparent
(Nein zu dieser EU-Verfassung) und vielen kleineren Schildern.
(Andreas v. Bürow gesellt sich in die Nähe der Demonstranten.
Sabine bleibt „neutral“ in der Mitte, Michael Win-ter auch)
Schilder mit Forderungen an eine EU-Verfassung z.B.:
Verbot von Angriffskriegen, Agenturen zur Konfliktschlichtung, Abrüstung
statt Sozialabbau, Bildung ist keine Ware, Keine Privatisierungen öffentlicher
Güter, ökologische Verantwortlichkeit, alternative Energie,
Verbot von genmanipulierten Lebensmitteln, Recht auf Arbeit, Tobinsteuer,
Entwicklungshilfe statt Terrorismusbekämpfung, Schuldentilgung, Selbstbestimmungsrecht der Völker, Arbeitszeitabbau, kulturelle Vielfalt, soziale Wirtschaft, Verbot von Atomwaffen Haager Urteil, Pariser Charta, Transparenz u.s.w.
Rosa Volk (nimmt das Mikrofon der Moderatorin):
Aufforderung an das Publikum sich hinter die Forderungen zu stellen.
Zuschauer betreten die Bühne und stellen sich hinter die Schilder.
Lobbyisten entrollen Transparent „JA zur EU-Verfassung“ mit
Konzernsymbolen. Sie stellen sich in Position von
Supermännern hinter ihr Transparent.
Daneben ist das Transparent „Ja zu Europa - Nein zu dieser EU-Verfassung“, hinter dem die vielen Menschen mit den kleinen Schildern stehen.
Dies sind nur AUSZÜGE
der gesamte Text kann bezogen werden bei: bei Elke Zwinge-Makamizile: elkezwinge_at_gmx.de
Europa-Hymne
neuer text zur europa-hymne:
Freude über die Verfassung
Haben Götter des Mammons
Sie betreten siegestrunken
Ihr Privat-Elysium.
Doch der Zauber hält nicht ewig
Wenn die Menschen erst verstehn
Wie sie werden nun betrogen
Mit dem neu'n Verfassungswerk.
Freude aller Wirtschaftslenker,
Verfassung oh wie bist du fein!
Dem Sozialen droht der Henker,
denn neoliberal muss es sein.
Und die letzten Schranken fallen:
das Sozialsystem bricht ein:
die meisten Menschen werden ärmer,
wenige viel reicher sein.
Wäre doch der Wurf gelungen
Ein Europa frei von Trug
Mit der Freude sichern Lebens
Statt des Aufrüstungsgebots,
Neoliberale Ordnung
Europäisches Streikverbot
Und die Bolkestein-Richtlinie
Nein, nein, nein es ist genug.